DSC00362

Es gibt viele Produkte auf dem Markt, die nur da sind, weil es genug Menschen gibt, die an so einen Blödsinn glauben. Ich gehe nun einmal davon aus, dass ihr hier seid um etwas zu lernen und Euch nicht im Gartencenter veralbern lassen wollt.

Düngen, aber bitte richtig! – Teil 1

Eines davon sind Düngestäbchen für Orchideen. Ich frage mich was dieses Produkt auf dem Markt hält, es ist so sinnfrei wie problematisch für die Orchideen, dass es verwunderlich ist, dass es überhaupt verkauft wird.

Warum ist das meine Meinung?

Ganz einfach. Orchideen sind extrem sparsam was Dünger bzw, den Nährstoffbedarf betrifft. Sie nehmen was am Naturstandort für sie abfällt. Das kann mal ein Laubblatt sein, toter Käfer oder ein Vogel oder anderes Tier denkt sich „Orchidee? Ach sch**ß drauf!“

Im letzten und wohl recht lustigen Fall mag es am ehesten an das Düngestäbchen herankommen. Doch da spielt das Wetter nicht unbedingt mit, meist regnet es regelmäßig oder durch die schwülen Bedingungen zersetzt sich so etwas deutlich schneller. Dann ist auch diese Ladung innerhalb kürzester Zeit wieder weg, doch das Zäpfchen wäre noch da,

So ein Düngestäbchen ist dafür ausgelegt über längere Zeit Nährstoffe abzugeben. Es ist eine Mischung aus Bindemittel mit mineralischen Düngern, die über Wochen vorhanden sind.

Jetzt kommt der Witz!

Im Gegensatz zu normalen Zimmerpflanzen, die in normaler Blumenerde wachsen, verhalten sich Orchideen eben völlig anders. Sogar die Wurzeln haben ganz andere für Orchideen typische Eigenschaften.

Normale Blumenerde ist sehr fein, längere Zeit feucht und somit perfekt für das Prinzip Düngestäbchen, denn nur in feuchtem Zustand kann es funktionieren.

Orchideen wachsen hingegen in grobem Substrat, meist bestehen diese Substrate, sofern es hochwertige sind, fast nur aus Pinienrinde. Gute Substrate von Gartenschlau.com empfohlen gibt es übrigens bei Orchideen Wichmann zu kaufen für 1, 2, 5 oder bis zu 10 Orchideen. Aber das nur so nebenbei.

Auf Grund der Eigenschaften der Pinienrinde wenig Wasser zu halten und schnell wieder abzutrocknen. Ist so ein Düngestäbchen ziemlich verloren im Substrat. Dazu kommt noch, dass im Gegensatz zum einnehmenden Wesen der Zimmerpflanzenwurzel, Orchideen meist gar nicht so einen dichten Wurzelballen ausbilden. Ja ältere Pflanzen haben extrem viele Wurzeln, doch diese reagieren sehr auf die Düngerkonzentrattion. Zu viel Nährsalze und die Wurzel verbrennt regelrecht, dass bedeutet dass das Düngestäbchen in Wurzelnähe keine gute Idee ist.

Jetzt kommen wir zum Worst Case, dem Gau unter den Stäbchen Problemen.

Wie gießt Ihr eure Orchideen?

Vermutlich wie viele auch, in dem ihr den Topf in Wasser taucht. Also wird folgendes passieren, bei der ersten Orchidee ist noch alles gut, der Topf wird nass, das Stäbchen wird aktiviert und gibt Dünger ab. Nun ist die Orchidee fertig getaucht, wird zur Seite gestellt, das Stäbchen macht fröhlich weiter, was dazu führt, dass der Topf während er abtrocknet mit weiteren Nährsalzen bombardiert wird, bis er getrocknet ist.

Dann nimmt man die nächste Orchidee und taucht sie, wieder gibt das zweite Stäbchen weiteren Dünger ab, obwohl ja bereits von dem ersten Stäbchen davon Nährstoffe im Wasser sind. So geht es weiter bis zur letzten Orchideen, die dann am Meisten Dünger abbekommt und dazu noch ihr eigenes Stäbchen verdauen muss.

Dann tauche ich meine Orchideen halt nicht!

Jetzt könntet Ihr auf die Idee kommen, statt zu tauchen einfach die Gießkanne zu nehmen. Dies wäre eine Möglichkeit, doch was passiert dann? Das Wasser fließt direkt aus dem Topf und der Dünger kommt gleich mit. Nur im Bereich des Stäbchens erhöht sich die Nährstoffkonzentration und das solang bis alles, auch das Stäbchen, wieder trocken ist.

Zum Tauchen nutzt man einen ganz normalen und dekorativeren Haushalteimer. Das Wasser kann man dann für die anderen Zimmerpflanzen zum Gießen/Düngen nutzen.

Sag mal, hast Du was gegen Dünge-Stäbchen?

Ja definitiv, denn dieses Produkt ist der größte Schwachsinn und sollte eigentlich vom Markt verschwinden. Ja Langzeitdünger ist etwas für faule, zu denen ich im Garten auch gehöre, weil es eben bei vielen Topf- und Gartenpflanzen einfach leichter ist, wenn man diesen nur zum Saisonstart den Dünger serviert und sich die Folgemonate keine Gedanken mehr machen muss. Nur gilt es eben nur in diesem Bereich und nicht bei Orchideen, die am Naturstandort epiphytisch oder litophytisch wachsen.

Die hier im Beitrag beschriebene Tauchmethode ist durchaus praxistauglich, aber nur wenn das Stäbchen weggelassen wird. Das gleiche gilt auch für diese ganzen Vitalplastikmüllkuren. Was soll diese vor sich hin tropfende Ampulle bringen? Mit jedem Tropfen hört nur der Hersteller und der Händler das Geld in die Kasse regnen.

Wenn ihr Eure Orchideen nicht richtig pflegt, dann helfen diese Produkte mit Sicherheit auch nicht, dass die Pflanzen davon gesünder werden. Das wäre als, wenn man nicht gesund lebt, sich dafür mit irgendwelchen Wundermitteln gesund wieder gesund machen will. Ein rostiges Blech wird auch nicht besser, wenn man den Rost über pinselt.

Das falscheste Produktversprechen

In diesem Artikel geht es mir rein um das Produkt und nicht um eine bestimmte Firma, denn die meisten Düngerfirmen haben dieses Produkt im Sortiment.

Auf den meisten Düngerstäbchen Packungen steht „Für alle Orchideenarten geeignet“. Hier sollten alle Alarmglocken läuten. Wo Tierfreunde auf die Barrikaden gehen, interessiert es keinen Pflanzenfreund, dass diese Aussage für viele Orchideen der Untergang ist. NEIN diese Produkte sind wenn überhaupt, dann nicht für alle Orchideenarten geeignet. Es gibt Orchideen, die bereits bei wenigen PPM (parts per million) zu viel Nährsalze unmittelbar und nicht mehr zu retten absterben.

Erstes Fazit

Ihr wisst, dass ich aktuell fast alle Orchideen in Colomi anbaue. Ich will damit nicht sagen, dass Colomi, dass einzig Wahre ist und ihr alle zu Colomianern werden sollt.

Viel wichtiger ist es, dass Ihr Euch mit den Orchideen und dem Thema Nährstoffbedarf beschäftigt und nicht gleich jeden Quatsch im Gartencenter glauben sollt. Dazu war ich einfach zu lang in der Branche beschäftigt. Klar kosten diese Stäbchen und Vitalkuren nur ein paar wenige Cent. Doch es ist wie mit Fastfood, billig und schnell verfügbar, kann am Ende langwierige und zeitaufwendige Maßnahmen nach sich ziehen.

Nutzt einen guten Orchideendünger für Eure Pflanzen. Am Besten einen flüssigen, die sind am einfachsten zu dosieren.

Kauft Euch ein gescheites Orchideensubstrat bei einer Orchideengärtnere, z.B. das von Gartenschlau empfohlene Substrat von Wichmann.

Oder eben Colomi 😉

Im nächsten Teil erfahrt Ihr wie ich bisher meine Orchideen gedüngt habe.

Eure Meinung, Fragen und Erfahrungen gerne als Kommentar unter diesem Beitrag.