Bulbophyllum am Felsen bei Sapa – so wachsen sie wirklich

Bulbophyllum in Sapa Vietnam

Wir waren im Januar in Sapa unterwegs. Wer bei Vietnam automatisch an schwül-heiße Tropennächte denkt, wird hier oben eines Besseren belehrt. Nachts lagen die Temperaturen bei etwa 4–5 °C, tagsüber zwischen 7 und 11 °C. Es war kühl, klar und ruhig.

Auf dem Fansipan schien an diesem Tag die Sonne, der Himmel war blau und weit. Unter uns dagegen lag Sapa unter einer geschlossenen Wolkendecke. Ein beeindruckendes Bild: oben Licht und klare Sicht, unten Nebel und Feuchtigkeit. Der Rückweg war entspannt, die Beine nicht schwer, eher zufrieden nach einem guten Bergtag.

Genau auf diesem Rückweg fiel mein Blick auf etwas Grünes an einem dunklen Felsen. Erst wirkte es unscheinbar. Beim Näherkommen erkannte ich kleine, gedrungene Pseudobulben und schmale Blätter. Eine Bulbophyllum-Orchidee. Sie wuchs dort völlig unbeeinflusst von Menschen. Kein Topf, kein Dünger, kein „Spezialsubstrat“. Einfach Fels, Moos, kühle Luft – und das, was die Natur ihr bot.

Die Pflanze wuchs nicht im Substrat, sondern mit ihren Wurzeln in Felsspalten. Das Wurzelumfeld war feucht, aber nie nass. Gerade im Januar zeigt sich hier ein wichtiger Punkt: Auch bei kühlen Temperaturen funktionieren diese Orchideen problemlos, solange keine Staunässe entsteht.

Schaut man sich die Felsen genauer an, erkennt man sehr gut, wie diese Orchideen dort wachsen. Die Pflanzen verteilen sich über eine relativ große Fläche direkt auf dem Gestein. Hier und da sieht man Moos, das sich in Ritzen und auf kleinen Absätzen gesammelt hat. An der Spitze des Felsens erkennt man dickere Moospolster, aus denen die Blätter der Orchideen herausragen.

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Das Moos speichert Feuchtigkeit aus Nebel, Tau und Regen. Es wirkt wie ein Puffer, der der Orchidee auch über trockenere Phasen hinweg Wasser zur Verfügung stellt. Gleichzeitig ist das Ganze niemals dauerhaft nass. Der Fels ist geneigt, Wasser läuft ab, Luft bewegt sich ständig. Genau diese Kombination verhindert, dass die Wurzeln faulen.

Siehe auch  Dendrobium kontumense

Für die Kultur von Bulbophyllum-Orchideen lässt sich daraus einiges ableiten. Viele Arten aus montanen Regionen mögen es kühler, als man zunächst denkt. Entscheidend ist weniger „viel Wasser“, sondern ein Wechsel aus Feuchtigkeit und Abtrocknung. Hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit sehr guter Luftbewegung ist wichtiger als dauerhaft nasses Substrat. Ein luftiger Aufbau oder eine Aufbinde-Kultur kommt diesem Naturstandort oft näher als ein dicht gepackter Topf.

Gleichzeitig muss man klar sagen: Das gilt nicht pauschal für alle Orchideen. Bulbophyllum ist eine große Gattung mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen. Es gibt Arten aus warmen Tieflagen, die deutlich höhere Temperaturen benötigen. Auch andere Gattungen wie Phalaenopsis aus tropischen Regionen oder lichtliebende Cattleyen haben ganz andere Bedürfnisse.

Wenn ihr euch – wie ich – intensiver für Bulbophyllum interessiert, dann solltet ihr zuerst prüfen, welche Bedingungen ihr zu Hause überhaupt anbieten könnt. Ein bunter Mix aus Pflanzen, nur weil die Blütenbilder gefallen, führt schnell dazu, dass ein Teil hervorragend wächst, während ein anderer dauerhaft Probleme bekommt. Einen echten Königsweg gibt es nicht, wenn man nur ein bestimmtes Klima bieten kann. Dann ist es sinnvoller, gezielt Arten auszuwählen, die genau zu diesen Bedingungen passen.

Der Felsen oberhalb von Sapa hat sehr deutlich gezeigt, wie wichtig das Zusammenspiel aus Temperatur, Feuchtigkeit, Luftbewegung und Untergrund ist. Keine übermäßige Pflege, kein Verhätscheln – sondern passende Bedingungen. Wenn man genau hinschaut, zeigt einem die Natur sehr klar, wie Orchideen wirklich wachsen wollen.

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Wichtige Einschränkung

Diese Beobachtung bezieht sich auf Bulbophyllum-Arten aus kühleren Hochlagen. Sie ist nicht auf alle Orchideen übertragbar. Wärmeliebende Phalaenopsis aus dem Tiefland oder viele Vanda-Arten benötigen deutlich höhere Temperaturen. Auch lichtbedürftige Cattleyen haben andere Ansprüche.

Siehe auch  Bulbophyllum

Der Fund bei Sapa zeigt vor allem eines: Standortdaten sind entscheidend. Wer Bulbophyllum kultiviert, sollte prüfen, aus welcher Höhenlage die jeweilige Art stammt. Arten aus montanen Regionen können deutlich kühler kultiviert werden, benötigen aber gleichzeitig viel Luftbewegung und eine gute Drainage.

Der Felsen oberhalb von Sapa war ein praktisches Beispiel dafür, wie diese Bedingungen in der Natur aussehen: kühl, feucht, luftdurchströmt – aber niemals staunass.

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