Orchideen Substrat im Test, Pinienrinde gegen Sphagnum gegen Colomi
Pinienrinde, Sphagnum oder Colomi? Substrattest an Phalaenopsis Jungpflanzen, was jedes Substrat leistet und welches zu deinem Gießrhythmus passt.
Pinienrinde, Sphagnum oder Colomi. An Jungpflanzen zeigt sich schneller als an ausgewachsenen Orchideen, welches Substrat zum eigenen Gießrhythmus passt. Hier ist der zweite Teil meines Tests.
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Warum ich den Test mit Jungpflanzen mache
Eine große Phalaenopsis mit dickem Wurzelwerk verzeiht fast jedes Substrat eine Weile. Sie hat Reserven in den Blättern, ihre Wurzeln sind dick genug, um Trockenphasen zu überbrücken, und bis man einen Fehler sieht, ist ein halbes Jahr vergangen. Genau das macht sie für einen Vergleich unbrauchbar.
Jungpflanzen sind das Gegenteil. Ihre Wurzeln sind dünn, kurz und haben noch kaum Speichervolumen. Sie reagieren auf jede Schwankung im Wasserhaushalt innerhalb von Wochen statt Monaten. Wenn ein Substrat zu schnell abtrocknet oder zu lange nass bleibt, sieht man das an der Wurzelspitze, lange bevor das Blatt etwas verrät.
Für diesen Test habe ich Sämlinge aus einer einzigen Kreuzung genommen, Phalaenopsis violacea ‚Blue Malaysian‘ × Phalaenopsis violacea ‚Red Norton‘. Gleiche Eltern, gleiches Alter, gleicher Standort, gleicher Gießrhythmus. Der einzige Unterschied ist das Substrat.
Ein Orchideensubstrat ist in erster Linie kein Nährstofflieferant, sondern organisiert drei Dinge: Halt, Luft an den Wurzeln und eine Feuchte, die weder dauerhaft noch nie vorhanden ist. Epiphytische Orchideen wachsen in der Natur auf Rinde, wo es nach jedem Regen schnell wieder abtrocknet. Jedes Substrat ist ein Kompromiss zwischen diesem Wechsel und unserem Alltag, in dem niemand täglich gießt.
Grobe Pinienrinde
Rinde ist das Substrat, mit dem fast jeder anfängt, und sie hat gute Gründe für sich. Sie ist luftig, sie ist billig, und sie verzeiht einen zu großzügigen Gießer, weil überschüssiges Wasser sofort abläuft.
Bei den Jungpflanzen war genau das der Nachteil. Die grobe Körnung trocknet zwischen den Wassergaben so schnell ab, dass die kurzen Wurzeln kaum Zeit haben, etwas aufzunehmen. Große Hohlräume bedeuten außerdem, dass eine kleine Wurzel oft gar keinen Kontakt zum Material hat, sondern in der Luft steht.
Ich halte das nicht für ein Urteil über Rinde, sondern über die Körnung. Eine feinere Rinde hätte hier vermutlich deutlich besser abgeschnitten. Wer mit Rinde arbeitet, sollte die Körnung an die Wurzeldicke anpassen, nicht an die Topfgröße.
Feines Sphagnum
Sphagnum ist das genaue Gegenstück. Es hält ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser, umschließt auch feinste Wurzeln lückenlos und sorgt für konstante Feuchte. Für schwache oder stark reduzierte Wurzelsysteme ist es deshalb oft die Rettung.
Der Preis dafür ist Fingerspitzengefühl. Sphagnum sieht oben trocken aus und ist unten noch klatschnass. Wer nach Augenmaß gießt, gießt fast zwangsläufig zu früh. Dazu kommt, dass Sphagnum mit der Zeit verdichtet und dann Luft aus dem Topf drückt, genau das, was Orchideenwurzeln am wenigsten vertragen.
In Sphagnum gießt man nicht nach Kalender, sondern nach Gewicht. Topf anheben, und erst wenn er sich spürbar leicht anfühlt, wieder wässern. Das ist der zuverlässigste Test, den es ohne Messgerät gibt.
Colomi
Colomi ist ein mineralisches Granulat. Das Wasser sitzt nicht zwischen den Körnern, sondern im Korn selbst, im Porenraum des Materials. Dadurch bleibt zwischen den Körnern Luft, während gleichzeitig ein Vorrat vorhanden ist, aus dem sich die Wurzel bedienen kann.
Bei den Sämlingen war genau dieser Punkt sichtbar. Die Wurzeln wachsen nicht an den Körnern vorbei, sondern in den Zwischenraum hinein und legen sich an die Körner an. Das Substrat bleibt dabei locker, es verdichtet nicht, und es zersetzt sich nicht, also verändert sich die Wasserführung über Jahre nicht.
Der ehrliche Nachteil: Colomi verlangt am Anfang ein Umlernen. Es sieht oberflächlich trocken aus, wenn es innen noch feucht ist, und viele gießen deshalb im ersten Monat zu viel. Wer diese Phase übersteht, hat danach das gleichmäßigste System von den dreien.
112 Antworten zu Colomi in der FAQ
Was der Test nicht beweist
Diese Ergebnisse gelten für meine Bedingungen. Mein Fenster, mein Licht, meine Luftfeuchte, mein Gießrhythmus. Grobe Rinde ist unkritisch für alle, die gerne einmal zu viel gießen, denn überschüssiges Wasser läuft sofort ab und die Luft ist schnell wieder an der Wurzel. Ihr Nachteil zeigt sich am anderen Ende: Wer nur alle zwei Wochen dazu kommt, hat sie die meiste Zeit staubtrocken im Topf stehen.
Deshalb ist die eigentliche Frage nicht, welches Substrat das beste ist, sondern welches zu dir passt. Ein Substrat ist kein Produkt, das man kauft, sondern eine Entscheidung darüber, wie oft du an deiner Fensterbank stehst.
Grobe Rinde verzeiht großzügiges Gießen, verlangt dafür aber kurze Abstände und kräftige Wurzeln.
Sphagnum für geschwächte Pflanzen und alle, die genau beobachten wollen.
Colomi für alle, die unregelmäßig zu Hause sind und ein Substrat wollen, das sich über Jahre nicht verändert.
Häufige Fehler beim Substratwechsel
- Substrat wechseln und Gießrhythmus beibehalten. Jedes Substrat hat seinen eigenen Takt. Wer von Rinde auf Colomi wechselt und weiter alle fünf Tage gießt, ertränkt die Pflanze.
- Zu groben Korn für zu kleine Wurzeln. Die Körnung gehört zur Wurzel, nicht zum Topf.
- Nach dem Umtopfen sofort gießen. Kleine Wurzelverletzungen sollten erst antrocknen, sonst sind sie ein Eintrittstor für Fäulnis.
- Nach zwei Wochen ein Urteil fällen. Ein Substrat zeigt seine Wirkung über einen ganzen Wachstumszyklus, nicht über einen Monat.
Fazit
In meinem Test hat Colomi bei den Jungpflanzen am gleichmäßigsten geliefert. Sphagnum kann das auch, verlangt aber das genaueste Gießen von den dreien. Bei der groben Rinde halte ich die Körnung für den Grund und nicht das Material, aber das ist meine Vermutung aus der Beobachtung und kein zweiter Test.
Wenn deine Orchidee gerade schlecht aussieht, ist das fast nie das Ende. Sehr oft passt nur das Substrat nicht zu deinem Gießrhythmus, und das ist eine Sache, die du an einem Nachmittag änderst.
Schwierigkeit: für Einsteiger gut machbar, wenn man nach dem Wechsel den Gießrhythmus mit umstellt.
Bernd Vollmer, B.Sc. Horticultural Science
