Orchidee nach dem Umtopfen erst später gießen
Nach dem Umtopfen ein paar Tage nicht gießen schützt frische Wurzelverletzungen vor Fäulnis. So gehe ich Schritt für Schritt vor.
Umtopfen und direkt angießen fühlt sich richtig an. Es ist aber genau der Moment, in dem frische Wurzelverletzungen offen im nassen Substrat liegen.
Video laden · erst beim Klick, kein Tracking📺 Das passende Video dazu auf meinem YouTube-Kanal @Orchideenhobby
Was beim Umtopfen mit den Wurzeln passiert
Selbst wer vorsichtig arbeitet, richtet beim Umtopfen kleine Schäden an. Wurzeln kleben an der Topfwand fest und reißen beim Lösen ein, abgestorbene Enden werden abgeschnitten, das Velamen wird an Druckstellen verletzt. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.
Jede dieser Stellen ist aber eine offene Wunde. Und offene Wunden im dauerfeuchten Substrat sind der klassische Einstieg für Fäulnisbakterien und Pilze. Trocknen sie dagegen ein paar Tage an der Luft ab, verschließen sie sich, und das Problem stellt sich gar nicht erst.
Kein Gärtner steckt einen frisch geschnittenen Kaktus oder Steckling sofort ins nasse Substrat. Man lässt die Schnittstelle abtrocknen. Bei Orchideenwurzeln gilt dasselbe Prinzip, nur redet kaum jemand darüber.
Wie ich es mache
- Substrat vorher wässern, nicht die Pflanze nachher. Ich wässere das neue Substrat kurz durch und lasse es gut abtropfen. Es bringt dann Restfeuchte mit, ohne dass irgendwo Wasser steht.
- Drei bis fünf Tage warten. In dieser Zeit passiert nichts Dramatisches, die Pflanze zehrt problemlos von ihren Blattreserven.
- Hell stellen, aber nicht in die pralle Sonne. Wärme und Licht helfen beim Abtrocknen, direkte Mittagssonne stresst die Pflanze zusätzlich.
- Dann normal weitergießen. Nach der Wartezeit läuft die Pflege wieder wie immer.
Wenn du beim Umtopfen stark faule Wurzeln herausgeschnitten hast, verlängere die Wartezeit eher auf eine Woche. Je größer die Schnittflächen, desto mehr Zeit brauchen sie.
Wann die Regel nicht gilt
Zwei Ausnahmen gibt es. Wenn du eine Pflanze mit fast keinen Wurzeln mehr umtopfst und sie über Luftfeuchte am Leben halten musst, ist dauerhaftes Austrocknen das größere Risiko als die Fäulnis. Dann arbeite ich mit hoher Luftfeuchte statt mit Gießwasser, zum Beispiel unter einer Haube.
Und wenn die Pflanze beim Umtopfen ohnehin schon schlaff war, weil sie zu lange trocken stand, sollte sie nicht noch tagelang warten. Dann wässere ich nach ein bis zwei Tagen leicht an.
Orchideen umtopfen und pflegen, die häufigsten Fragen
Fazit
Nach dem Umtopfen ein paar Tage nicht zu gießen ist kein Zaudern, sondern Wundschutz. Das vorher gewässerte Substrat liefert genug Restfeuchte, und die Schnittstellen verschließen sich in Ruhe.
Falls du schon einmal eine frisch umgetopfte Orchidee verloren hast und dachtest, du hättest beim Umtopfen etwas falsch gemacht: Sehr oft war nicht das Umtopfen das Problem, sondern die Gießkanne danach.
Schwierigkeit: einfach, es kostet nur etwas Geduld.
Bernd Vollmer, B.Sc. Horticultural Science
