Über zwei Wochen ohne Gießen in Colomi
Colomi speichert Wasser im Korn. Warum eine Phalaenopsis über zwei Wochen ohne Gießen übersteht und woran du erkennst, wann es Zeit wird.
Zwei Wochen keine Wassergabe, und die Pflanze steht da, als wäre nichts gewesen. Das liegt nicht an der Orchidee, sondern daran, wo das Wasser in diesem Substrat sitzt.
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Warum der Vorrat im Korn liegt und nicht dazwischen
In Rinde sitzt das Wasser als Film an der Oberfläche und in den Zwischenräumen. Beides verschwindet schnell, das eine durch Verdunstung, das andere durch Ablaufen. Genau deshalb muss man Rinde oft gießen.
Colomi arbeitet umgekehrt. Das Granulat ist porös, das Wasser sitzt im Korn und wird von dort langsam nach außen abgegeben. Zwischen den Körnern bleibt Luft, und die Wurzel bekommt beides gleichzeitig, Feuchte und Sauerstoff. Deshalb entsteht keine Phase, in der das Substrat entweder nass oder staubtrocken ist, sondern ein gleichmäßiger Mittelzustand, der lange hält.
Zwei Wochen ohne Gießen heißt nicht, dass die Orchidee zwei Wochen trocken stand. Sie hat die ganze Zeit Wasser bekommen, nur eben aus dem Vorrat im Korn statt aus der Gießkanne. Das ist ein Unterschied, den die Wurzel sofort merkt und das Auge erst spät.
Woran ich erkenne, dass es Zeit wird
Die Oberfläche taugt bei Colomi nicht als Anzeige, sie sieht meist trocken aus, wenn unten noch reichlich Vorrat ist. Ich gehe deshalb nach drei anderen Zeichen.
- Das Topfgewicht. Anheben ist der schnellste und ehrlichste Test. Wer das zwei, drei Mal bewusst macht, hat den Unterschied im Griff.
- Die Wurzelfarbe. Gesunde Wurzeln sind bei Wasseraufnahme grün und werden silbrig, wenn der Vorrat zur Neige geht. Im transparenten Topf ist das die bequemste Anzeige, die es gibt.
- Die Körner selbst. Feuchtes Colomi ist dunkler als trockenes. Der Unterschied ist da, man muss ihn nur einmal bewusst nebeneinander gesehen haben.
Beim Umstieg auf Colomi ist die häufigste Fehlerquelle nicht das Substrat, sondern der alte Gießrhythmus. Wer weiter nach Kalender gießt, gießt fast sicher zu viel. Die ersten vier Wochen lohnt es sich, bei jedem Gießen kurz das Gewicht zu prüfen, danach hat man das Gefühl dafür.
Was das praktisch bedeutet
Der Vorteil zeigt sich nicht in Rekordwochen ohne Wasser, sondern im Alltag. Ein Wochenende weg, eine Woche Dienstreise, ein vergessener Gießtag, all das ist in einem Substrat mit Vorrat schlicht kein Ereignis mehr. Für alle, die unregelmäßig zu Hause sind, ist genau das der eigentliche Gewinn.
Ein Freibrief ist es nicht. Auch Colomi trocknet irgendwann durch, und eine Pflanze, die man über Monate vergisst, geht darin genauso ein wie in Rinde. Der Puffer ist größer, nicht unendlich.
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Gießen und Düngen, die häufigsten Fragen
Fazit
Über zwei Wochen ohne Wassergabe und keine Schäden, das ist kein Kunststück der Pflanze, sondern die Folge eines Substrats, das Wasser im Korn speichert und langsam abgibt.
Wenn deine Orchideen regelmäßig zwischen zu nass und zu trocken pendeln, liegt das selten an dir und oft am Material im Topf. Das ist eine Sache, die sich ändern lässt.
Schwierigkeit: einfach, sobald man den Gießrhythmus einmal umgestellt hat.
Bernd Vollmer, B.Sc. Horticultural Science
